Patagonien    
 

Das ist patagonisch! Leuchtende Gletscher durchbrechen immergrünen Regenwald, blütenaussaugende Kolibris schwirren um farbenprächtige Büsche, smaragdgrüne Seen unter mythischen Felstürmen oder bis weit in die grau-braune Steppe reichend und ein ewig fegender Wind.

 
Staub wirbelt auf, hüllt die Steppe mit vereinsamten Briefkästen, Spuren der wenigen Bewohner, in eine dahinstreifende Wolke. Grenzen sind bedeutungslos, Zeit ist hier kein Geld!
Patagonien – kein Land ist extremer, überraschender, abenteuerlicher.

Am sturmgepeitschten Südzipfel des amerikanischen Kontinents gelegen, beginnt der chilenische Teil Patagoniens am Río Bio Bio südlich des 35. Breitengrates. Auf argentinischer Seite legte man sich mit dem Verlauf des Río Negro fest. Eine genaue geografische Festlegung Patagoniens gibt es jedoch nicht. Wie im Norden ist auch im Süden eine eindeutige Definition Patagoniens unklar. Gehört Feuerland zu Patagonien?

Eigentlich ist es bedeutungslos. Für mich beginnt das »richtige«, das ursprüngliche Patagonien sozusagen südlich von Puerto Montt, schon wegen der Bevölkerungsdichte von 1 Einwohner pro km² und des niedrigen Erschließungsgrades.

In Nord-Süd-Ausrichtung teilt die Hochkordillere der Südanden Patagonien in die trockene Pampa Argentiniens und den regenreichen chilenischen Westen in zwei kontrastreiche Landschaften. Während im Westen die Jahresniederschlagsmenge bis zu 8000 Millimeter erreichen kann, bekommen die Ebenen der argentinischen Pampa fast nichts ab.

 

Eingebettet in die Kordillere befindet sich die größte zusammen-hängende Eisfläche außerhalb der Polkappen auf unserem Planeten, den Hielo Patagonico mit einer Fläche von 17900 km². Ein Vergleich: alle Alpengletscher zusammen bedecken gerade mal eine Fläche von ca. 3000 km².

 
Das Patagonische Eis besteht aus zwei Eisflächen, dem Nördlichen Patagonischen Eis mit dem höchsten Berg Patagoniens, dem Monte San Valentín und dem Südlichen Patagonischen Eis mit den wohl bekanntesten Monolithen Fitz Roy und Cerro Torre, sowie dem Paine-
Massiv. Die nördliche Eisfläche misst ca. 100 km Länge und eine durchschnittliche Breite von 45 km. Etwa drei Viertel der gesamten Eisfläche nimmt das Südliche Patagonische Eis ein, mit etwa 360 km Länge und bis zu 80 km Breite. Beide sind vom Einschnitt des Bakerkanals, einen Fjord von ca. 120 km Länge, getrennt.

Durchschnittlich 1500 m über dem Meer gelegen bildet das Patagonische Eis eine abwechslungsreiche Oberfläche auf der weite Ebenen, mit Mulden und abgerundeten Erhebungen wechseln. An mehreren Stellen fließt das Eis in die Fjorde oder in die östlich der Andenkette befindlichen Seen, wie zum Beispiel der San-Rafaél-Gletscher ins Meer oder der Perito-Moreno-Gletscher in den Lago Argentino.

Erste Forschungs- und Abenteuerreisen sind verbunden mit Namen wie Reichert, Kölliker, Nordenskjöld, Agostini, Steffen, Heim oder Shipton. Der Pionier der Patagonischen Eisfelder ist zweifellos der deutschstämmige Bergsteiger Friedrich Reichert, der 1904 einen Ruf der Universität Buenos Aires folgte.

1913/14 gelang es ihm auf dem Südlichen Patagonischen Eis über den Perito-Moreno-Gletscher bis zur Wasserscheide, dem später nach ihm benannten Paso Reichert vorzudringen. Ein weiterer Aufbruch ins Un-

gewisse dann im Sommer 1920/21. Hier machte er sich auf den Weg das Nördliche Eisfeld zu erkunden, zu einem Zeitpunkt, als nicht einmal ein Eisfeld um den Monte San Valentín existent war. Als Zugang wählte er die Laguna San Rafaél, dringt bis zum Nunatak vor und erblickt zum ersten Mal die riesige Eisfläche mit dem Monte San Valentín. Weitere Expeditionen folgten, jedoch ohne Erfolg den Monte San Valentín zu besteigen. Die gelang im Dezember 1952 einer argentinischen Expedition.

Die erste Überquerung des Nördlichen Patagonischen Eises gelang 1963/64 einer von Eric Shipton geleiteten Expedition.

Bis heute schafften nur wenige Expeditionen den Hielo Patagonico zu durchqueren, meist wurden sie aufgrund der patagonischen Wetterunbilden zum warten oder gar zum umkehren verurteilt und andere Expeditionen suchen sich von vornherein ganz andere Ziele, weit abseits der Wildnis Patagoniens. Und das ist gut so, dass das patagonische Wetter die Besucherzahl in diesem endlosen Terrain selbst minimiert, dass dieses sensible Reservoir mit seinen Felszähnen, jungfräulichen Gipfeln, einsamen Tälern und seiner überwältigenden Weite, eben unser »altes Patagonien«, noch lang erhalten bleibt.

 
   
 
 
     
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